„Was kostet Fulfillment?" ist die häufigste Frage, die uns erreicht — und die am schwersten pauschal zu beantworten ist. Nicht, weil jemand etwas verheimlichen will, sondern weil die Antwort von deinem Sortiment abhängt. Ein Shop mit leichten Schmuckartikeln und drei Prozent Retouren zahlt pro Bestellung ein Vielfaches weniger als ein Modehändler mit sperrigen Kartons und jeder zweiten Rücksendung.

Dieser Artikel erklärt deshalb nicht, was wir kosten, sondern wie Fulfillment-Preismodelle aufgebaut sind, welche Faktoren die Rechnung treiben und woran du ein faires Angebot erkennst. Was es für deinen konkreten Fall bedeutet, rechnest du am Ende in zwei Minuten selbst aus.

Wie setzen sich Fulfillment-Kosten zusammen?

Fulfillment-Kosten bestehen aus vier Blöcken: einem Vorgangspreis je Bestellung für Kommissionierung, Verpackung und Versandvorbereitung, der Lagermiete nach belegtem Raum, den Retourenkosten und dem Porto des Versanddienstleisters. Dazu kommen Sonderleistungen wie Etikettierung oder Werbebeilagen. Marktüblich zahlen Onlinehändler in Deutschland typischerweise 1,20 bis 3,50 Euro pro versendeter Bestellung — ohne Porto.

Wichtig ist das Wort „typischerweise". Diese Spanne beschreibt den Markt, nicht dein Angebot. Wo du darin landest, entscheiden vor allem drei Dinge: wie viele Bestellungen du im Monat versendest, wie viele Artikel in einer durchschnittlichen Bestellung liegen und wie viel Raum deine Ware im Lager belegt.

Der Vorgangspreis ist dabei fast immer gestaffelt. Wer 100 Pakete im Monat versendet, zahlt pro Paket mehr als wer 3.000 versendet — der Aufwand pro Sendung sinkt, weil sich Wege, Rüstzeiten und Verwaltung auf mehr Vorgänge verteilen. Wenn ein Anbieter dir einen einzigen Preis ohne Staffel nennt, lohnt die Nachfrage, ab welcher Menge er sich ändert.

Was kostet Pick & Pack marktüblich?

Der Vorgangspreis deckt in der Regel das Herausnehmen des ersten Artikels, eine neutrale Standardverpackung, das Packen und die Versandvorbereitung ab. Marktüblich liegt er bei etwa 1,20 bis 3,50 Euro je Bestellung. Jeder weitere Artikel in derselben Bestellung kostet einen kleineren Aufschlag, weil der Weg zum Regal ohnehin schon gemacht ist.

Genau hier entsteht der erste große Unterschied zwischen zwei Shops mit identischem Bestellvolumen. Ein Shop mit durchschnittlich 1,1 Artikeln pro Bestellung zahlt fast nur den Grundvorgang. Ein Shop, der Sets und Bundles verkauft und im Schnitt bei 3,4 Artikeln liegt, zahlt pro Bestellung deutlich mehr — bekommt dafür aber auch einen höheren Warenkorb.

Achte beim Vergleich darauf, was tatsächlich im Vorgangspreis steckt. Manche Anbieter rechnen die Verpackung separat ab, andere schlagen für Kartons ab einer bestimmten Größe auf. Ein scheinbar günstiger Vorgangspreis mit fünf Zusatzpositionen ist am Monatsende oft teurer als ein höherer Preis, in dem alles enthalten ist.

Wie wird Lagerraum abgerechnet?

Für Lagerraum gibt es zwei verbreitete Modelle: Abrechnung nach Volumen (Kubikmeter pro Monat) oder nach Palettenstellplatz. Marktüblich sind etwa 10 bis 25 Euro je Kubikmeter und Monat beziehungsweise 5 bis 15 Euro je Stellplatz. Entscheidend ist, wie viel Raum deine Produkte einnehmen — nicht, wie viele Stück du einlagerst.

Der Unterschied zwischen beiden Modellen ist größer, als er klingt. Volumenbasierte Abrechnung passt zu Sortimenten mit vielen kleinen Artikeln: Du zahlst genau den belegten Raum und nichts darüber hinaus. Palettenplätze rechnen sich, wenn du gleichförmige, gut stapelbare Ware in Menge lagerst — eine halb gefüllte Palette kostet allerdings genauso viel wie eine volle.

In unserem Lager in Lemgo stehen rund 1.900 Kubikmeter Blocklagerfläche plus 300 Kubikmeter Hochregallager mit zehn Metern Höhe zur Verfügung. Diese Kombination ist kein Zufall: Schnelldreher liegen griffbereit im Blocklager, während Saisonware und Überbestände nach oben wandern, wo der Raum günstiger ist. Frag bei Angeboten ruhig nach, ob es eine solche Staffelung gibt — sie kann bei saisonalen Sortimenten den Unterschied machen.

Was kosten Retouren wirklich?

Eine Retoure kostet marktüblich 2 bis 5 Euro. Darin stecken Annahme, Prüfung des Zustands, Wiedereinlagerung oder Aussortieren und die Bestandsaktualisierung. Der eigentliche Kostentreiber ist aber nicht der Einzelpreis, sondern deine Retourenquote — und die schwankt je nach Branche extrem.

Bei unseren Kunden reicht die Spanne von etwa 10 bis 50 Prozent, abhängig von der Branche. Mode liegt regelmäßig am oberen Ende, weil Größen bestellt und zurückgeschickt werden; Verbrauchs- und Geschenkartikel liegen deutlich darunter. Rechne das einmal durch: Bei 1.000 Bestellungen im Monat und 12 Prozent Quote fallen 120 Retouren an. Bei 45 Prozent sind es 450 — mehr als das Dreifache, bei identischem Umsatzvolumen.

Deshalb ist die Retourenquote die Zahl, die du bei jeder Kalkulation ehrlich ansetzen solltest. Wer hier optimistisch schätzt, erlebt die Überraschung auf der ersten Monatsrechnung. Und wer seine Quote nicht kennt, sollte sie vor jedem Anbietervergleich aus den eigenen Shopdaten ermitteln.

Welche Kosten übersehen Händler regelmäßig?

Am häufigsten fehlen in der eigenen Rechnung vier Posten: Setup-Gebühren für die Einrichtung, Mindestmengen oder Grundgebühren, Sonderleistungen für alles, was vom Standardprozess abweicht, und das Porto selbst. Gerade der letzte Punkt überrascht: Viele vergleichen Fulfillment-Angebote, ohne die Versandkosten gegenzurechnen.

Setup-Gebühren von 200 bis 500 Euro sind im Markt verbreitet, ebenso Mindestabnahmen, die bei kleinen Volumina schnell teurer werden als der eigentliche Vorgangspreis. Das ist nicht grundsätzlich unfair — Einrichtung kostet Aufwand — aber es gehört in den Vergleich. Wir arbeiten bewusst ohne Setup-Gebühr und ohne Mindestmengen; unser Vorgangspreis beginnt ab 1,49 Euro pro Sendung.

Die teuerste Überraschung ist erfahrungsgemäß der Posten „Sonderleistungen", und sie entsteht oft schon beim Wareneingang. Zwei Fälle erleben wir immer wieder: Artikel kommen ganz ohne SKU- oder Barcode-Etikett an und lassen sich nicht scannen. Oder Ware wird angeliefert, die im System noch gar nicht angelegt war. Beides lässt sich lösen — aber jedes Teil muss dann von Hand erfasst und ausgezeichnet werden, und das ist Handarbeit, die abgerechnet wird.

Dagegen hilft banales Vorgehen: Anlieferung mindestens 24 Stunden vorher ankündigen, Kartons mit Artikelnummer beschriften, Lieferschein mit Artikelübersicht beilegen. Wer das sauber macht, hat seine Ware in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden erfasst und verkaufsbereit — und zahlt keinen Cent Nacharbeit.

Welches Preismodell passt zu welchem Shop?

Drei Modelle sind verbreitet: der Vorgangspreis je Bestellung mit Mengenstaffel, die Pauschale pro Monat und Mischformen mit Grundgebühr plus Vorgangspreis. Für die allermeisten Onlineshops ist der gestaffelte Vorgangspreis die fairste Variante, weil er mit dem Geschäft mitatmet: schwache Monate kosten wenig, starke Monate kosten mehr — aber pro Paket weniger.

Pauschalen wirken auf den ersten Blick planbar, verlieren ihren Reiz aber in beide Richtungen. In umsatzschwachen Monaten zahlst du für Kapazität, die du nicht nutzt. In starken Monaten stößt du an Grenzen, ab denen doch wieder nachberechnet wird. Für Shops mit stark saisonalem Geschäft — und das sind im Handel die meisten — ist das selten die günstigere Wahl.

Mischmodelle mit Grundgebühr lohnen sich, wenn du besondere Leistungen dauerhaft brauchst, etwa eigene Verpackungslinien oder feste Ansprechpartner mit festen Zeitfenstern. Die Grundgebühr kauft dann reservierte Kapazität. Frag in diesem Fall konkret nach, was sie beinhaltet — sonst zahlst du für ein Versprechen statt für eine Leistung.

Wie vergleichst du zwei Angebote fair?

Rechne nie einzelne Positionen gegeneinander, sondern immer die Gesamtkosten pro Bestellung für deinen realen Mix. Nimm dazu deine tatsächlichen Zahlen: Bestellungen pro Monat, Artikel je Bestellung, benötigtes Lagervolumen, Retourenquote. Erst diese vier Werte zusammen machen zwei Angebote vergleichbar — einzelne Preise sagen für sich genommen nichts aus.

Ein Beispiel für die Mechanik: Anbieter A nimmt einen niedrigen Vorgangspreis, rechnet aber Verpackung, jede Retoure und die Lagerung großzügig ab. Anbieter B liegt im Vorgang höher, hat Verpackung und Standardretoure aber eingeschlossen. Bei 10 Prozent Retourenquote gewinnt A, bei 40 Prozent gewinnt B deutlich — obwohl sich an den Listenpreisen nichts geändert hat.

Drei Fragen, die in jedem Angebotsgespräch auf den Tisch gehören: Was genau ist im Vorgangspreis enthalten? Ab welcher Menge greift die nächste Staffel? Und was passiert, wenn mein Volumen um die Hälfte einbricht oder sich verdoppelt? Wer darauf klare Antworten gibt, rechnet ehrlich.

Achte außerdem auf die Dinge, die in keiner Preisliste stehen, aber täglich Geld kosten oder sparen: Wie schnell ist die Ware nach Anlieferung verkaufsbereit? Bis wann müssen Bestellungen eingehen, um am selben Tag rauszugehen — bei uns ist das werktags 14:00 Uhr? Siehst du deine Bestände in Echtzeit, oder musst du nachfragen? Ein Anbieter, der zwanzig Cent günstiger ist, dich aber zwei Tage Lieferzeit kostet, ist kein gutes Geschäft.

Häufige Fragen zu Fulfillment-Kosten

Ab welchem Bestellvolumen lohnt sich Fulfillment?

Eine feste Schwelle gibt es nicht — entscheidend ist, was dich die eigene Abwicklung wirklich kostet, inklusive deiner Arbeitszeit. Viele Händler rechnen ihre eigenen Stunden nicht mit und unterschätzen den Vergleich dadurch systematisch. Rechne einmal ehrlich durch, wie viele Stunden pro Woche in Packen, Porto und Retouren fließen.

Warum veröffentlichen viele Anbieter keine vollständige Preisliste?

Weil eine pauschale Angabe für den Großteil der Fälle falsch wäre. Dieselbe Bestellmenge kann je nach Artikelgröße, Warenkorb und Retourenquote das Doppelte kosten. Seriöse Anbieter nennen dir deshalb einen Einstiegspreis und rechnen den Rest anhand deiner Zahlen — oder stellen einen Rechner bereit, in dem du es selbst siehst.

Sind die Portokosten im Fulfillment-Preis enthalten?

In der Regel nicht. Das Porto ist eine eigene Position und richtet sich nach Zielland, Gewicht und Maßen. Manche Anbieter versenden auf Wunsch über dein eigenes Versandkonto — dann behältst du deine ausgehandelten Konditionen. Wir arbeiten mit DHL und UPS und unterstützen beide Varianten.

Was passiert mit den Kosten in der Hochsaison?

Bei gestaffelten Vorgangspreisen sinkt der Preis pro Sendung, wenn dein Volumen steigt — die Saison macht dich also pro Paket günstiger, nicht teurer. Was du prüfen solltest: ob der Anbieter die Spitze personell abfangen kann. Unser Logistikteam skaliert saisonal zwischen fünf und zwanzig Mitarbeitern.

Wie schnell kann ich den Anbieter wechseln, wenn es nicht passt?

Das hängt an der Vertragslaufzeit und an der Übergabe der Bestände. Frag vor Vertragsschluss nach Kündigungsfristen und danach, wer die Auslagerung und den Transport bezahlt. Diese beiden Punkte stehen selten im Angebot, entscheiden aber darüber, wie frei du bleibst.


Willst du wissen, was das für deinen Shop bedeutet? Unser Fulfillment-Rechner fragt genau die vier Werte ab, um die es in diesem Artikel geht — Bestellungen, Artikel je Bestellung, Lagerbedarf und Retourenquote — und zeigt dir in zwei Minuten eine realistische Monatskalkulation. Ohne Registrierung, ohne Verpflichtung. Wenn du lieber direkt sprichst: Auf Anfragen antworten wir werktags innerhalb von 24 Stunden.